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Einer unserer sehr starken Beweggründe für das “Aussteigen” und den Start unserer Langzeitreise war auch unsere einzige Tochter.

Insbesondere ich sah meine inzwischen siebenjährige Tochter LeniLou unter der Woche kaum. Nicht selten vergingen auch wenn ich nicht dienstlich verreisen musste sondern nur im Büro in München oder Nürnberg arbeitete, einige Tage an denen ich meine Tochter nicht gesehen habe. In der früh verließ ich das Haus in Herrgottsfrühe, wenn sie noch schlief. Und am Abend war sie bereits im Bett und wieder eingeschlafen, wenn ich heim kam. An solchen Tagen war nicht mal Zeit, ihr eine Geschichte vor dem schlafen gehen vorzulesen. 60+ Stunden-Wochen waren ganz normal. 60 Stunden die Woche nicht verfügbar. Nicht verfügbar für die Dinge, die das Leben lebenswert machen. Um weder einem Hobby nachzugehen, noch mit meiner Familie Zeit zu verbringen oder einen Arzttermin wahrzunehmen.

Und jedes mal wieder zerriss es mir das Herz. Denn das ist “eine Zeit, die nie mehr wieder kommt“. Etwas, was ich nicht nachholen kann. Und etwas, was sich nicht verschieben lässt. Schieben wie meinen Kalenderinhalt. Ich war Meister darin, mit meinen Kalender in ständigem Dialog zu stehen. Der Job hatte mir dies abverlangt. Die Tage waren voll und mussten, um dies zu überstehen, schlichtweg durchorganisiert werden. Und selbstverständlich konnte ich meinem Kalender mitteilen, dass der Donnerstagnachmittag meiner Tochter gehörte. Aber ich möchte nicht, dass meine Tochter ein Kalendereintrag ist. Und nicht selten kam es dazu, dass dieser Eintrag ebenso wie all die anderen zahlreichen Termine ständig umher geschoben wurden. Weil immer wieder etwas vermeintlich wichtigeres in mein privates Zeitfenster rutschte und erforderlich machte, die gesamte Woche neu zu planen. Damit war meine Family-Time irgendwie immer wieder aufs neue ein Kompromiss, der Galaxien von sogenannter Quality Time entfernt war.

Hatte es geklappt, mit einem früheren Feierabend, mussten nicht selten dann doch Arzt- oder Behördentermine erledigt oder Telefonate oder Mails beantwortet werden. Dann war doch wieder nichts mit dem Mama-Tochter-Nachmittag in dieser Woche. Und alle waren enttäuscht. Wie erklärt man das einem kleinen Mädchen und warum eigentlich? Warum ist es normal, so viele Stunden täglich, wöchentlich und ja in unserem ganzen Leben nicht gemeinsam zu verbringen?

Wie viel Zeit haben wir?

Der Tag hat bekanntlich 24 Stunden. Wenn man sich an die von Ärzten und Wissenschaftlern empfohlene optimale Schlafdauer von mindestens 8 Stunden Nachtruhe hält, bleiben nur noch 16 Stunden für sämtliche Aktivitäten zur Verfügung.

Jetzt nehmen wir das Beispiel einer Vollzeittätigkeit, also 8 Stunden Arbeit plus Pause plus Arbeitsweg, kommt man auf ca. 10 Stunden Abwesenheit. Bleiben schon nur noch 6 Stunden für Privatleben, aber nicht gleich Freizeit. Oder zählen Arztbesuche, Behördengänge ja sogar Einkäufe, Haus oder Wohnung putzen, Kind von Kita holen usw. schon zur Freizeit?

Im Grunde ist all das Privatzeit, aber wirklich Zeit für das LEBEN, zur Erholung und im Idealfall zur Inspiration um Neues auszuprobieren oder auch Altgewohntes so richtig zu genießen blieb jedenfalls bei mir kaum.
Und in meinem Fall verringerte sich die viel zu wenige Freizeit noch massiv, weil ich deutlich mehr gearbeitet habe.

Die Frage nach der Zeit kann man mit dem überdenken der täglichen 24 Stunden schnell beantworten. Niemand aber kann Dir sagen, wie viel Zeit Dir tatsächlich bleibt. Unser Zeitkonto lässt sich nicht beeinflussen und auch nicht anderweitig auffüllen Die Zeit eines jeden ist begrenzt. Wie lang uns tatsächlich bleibt, mit unseren Lieben und um die Welt zu entdecken, um Pläne zu schmieden und all die Dinge zu tun, die tatsächlich wichtig sind, kann keiner vorher sagen. Deshalb sollten wir sie für die Menschen und Dinge nutzen, die uns am meisten bedeuten.

Ich habe meinen Job geliebt und niemand hatte mir aufgetragen, derart viele Stunden in ihn zu investieren. Vermutlich machte genau das mir den täglichen Spagat so schwer.

Zu wenig Zeit für uns

Mir kommen die sieben Jahre mit LeniLou vor, als wären sie wie im Fluge an mir vorbei gezogen. War ich daran beteiligt? Ich meine so wirklich, und immer dabei? Ich erschrecke mich, wie viele Stunden dieser Zeit ich und sie nicht beieinander waren und das gleiche gilt für die Zeit mit meinen Mann.

Wie glücklich sind wir, einen passenden Partner in dieser riesigen und verrückten Welt zu finden. Einen Partner der mit mir und in allen Momenten des Lebens durch schöne aber auch schwierige Zeiten geht, und einen der bleibt ganz lange und idealer Weise für immer. Und dann? Dann verabschieden wir uns jeden Morgen, um den Tag, also das Leben getrennt voneinander zu verbringen. Mich wundert überhaupt nicht, dass derart viele Ehen nicht halten. Dass gemeinsame Entwicklung und später dann ein entspannter Lebensabend zwar der Wunschgedanke aller Paare ist. Aber im Alltag den meisten absolut schwer fällt, sich nicht auseinander zu leben und dann den gemeinsamen Lebensabend überhaupt erreichen.

Gewonnen

heute sehen wir uns 24/7 ♥

Unser stärkster Beweggrund für diesen Schritt ist und bleibt die gewollte gemeinsame Zeit. Ich liebe es so sehr, in der Früh meine beiden Lieben zu beobachten, wie sie so langsam wach werden. Mein jahrelang antrainiertes frühe aufwachen hat sich noch nicht aufgelöst. Aber das macht gar nichts. Es wohnt inzwischen in mir eine Ruhe, die ich gar nicht mehr kannte. Den Moment tatsächlich bewusst wahrnehmen, dem Tag eine selbstbestimmte Struktur zu geben und das alles zusammen mit LeniLou und Alex sind das größte Geschenk, dass ich mir mit dem Ausstieg aus meinem geliebten Job machen konnte. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und dass wir das gemeinsam (er)leben dürfen!

Erinnerung

Ich möchte niemanden belehren, jeder hat für das was er tut seine Beweggründe. Und dennoch denke ich, dass wir viel zu viele Dinge tun, weil es schon immer so war, weil man wem oder was auch immer gerecht werden will, weil wir uns keine Zeit nehmen, alte Gewohnheiten in Frage zu stellen oder weil wir in einer Rolle stecken, aus der es nicht leicht ist, rauszukommen. Es gibt zahlreiche Gründe, die uns hemmen, neue Wege zu gehen und damit ggf. wertvolle Zeit verschenken. Deshalb möchte ich an dieser Stelle mit diesem Beitrag alle pflichtbewussten oder gewohnheitsliebenden Menschen daran erinnern: vergesst nie zu Leben!

Anbei verlinke ich Euch weitere interessante Artikel hierzu

Diese Dinge bereuen die meisten Menschen in ihrem Leben — macht nicht den gleichen Fehler

Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen

Ich bin nicht krank und hoffe auch, dass keiner meiner Leser ernsthaft krank ist. Und dennoch bin ich mit Fällen plötzlichen und heftigen lebensverändernden Diagnosen mehrfach konfrontiert worden, im eigenen Familien- oder Freundeskreis und manchmal auch in meinem Job.

Konfrontationen, die bei vielen und auch bei mir das eigene Tun und Handeln massiv in Frage gestellt haben. Wartet nicht auf schlechte Ereignisse, sondern hört jetzt in Euch rein. Das Leben ist zu kurz, um all die schönen Dinge auf später zu verschieben oder später dann gar zu bereuen, etwas nicht getan zu haben.

Viele Grüße

Eure Boboli

Grundsätzlich unterstell ich mal ganz allgemein, dass Eltern für Ihre Kinder immer das Beste und nur Gutes wollen. Sie wollen Ihren Kindern keine Chancen vorenthalten und sie gesund und gewaltfrei aufwachsen sehen. Und dann gibt es eine Menge unterschiedliche Werte, die Eltern Ihren Kindern mitgeben wollen und die Einfluss auf die Erziehung nehmen.

Das ist bei uns nicht anders. Wir wollen für Leni nur das Beste und wir wünschen ihr eine sorgenfreie Kindheit. Eine möglichst lange Kindheit und kein zu frühes leistungsorientiertes streben nach unzähligen Wettbewerbsfähigkeiten. Ich werde hierüber nicht in der Tiefe ausholen. Das Thema Erziehung sollte kein Thema für diesen Beitrag sein. Aber natürlich stößt auf großes Interesse unserer Leser, was Leni von unserem Ausstieg hält und wie wir sie in unsere Entscheidung eingebunden haben.

Wie haben wir unsere Tochter an der Entscheidung zum Ausstieg beteiligt?

Bereits lang vor unserem Ausstieg sprachen wir daheim immer wieder mal darüber, dass wir gern einmal länger reisen würden. Ohne konkret über ein Datum oder gar über einen kompletten Ausstieg zu reden. Wir sind schon immer gereist und gern auch mal länger als übliche 2 oder 3 Wochen am Stück. Und dafür war unsere Leni immer zu haben. Sie ist wahnsinnig gern unterwegs. Sie liebt das fliegen oder Zug fahren und kennt es seit frühester Babyzeit. Wenn eine Reise zu Ende ging, war sie es, die nicht freiwillig heim fuhr, wenn doch sie unser zu Hause sehr geliebt hat.

Leni in einer Tanzschule auf BaliAber sie war immer schon gern auf Reisen, liebt es neue Orte zu erkunden und taucht auch sehr schnell in fremde Länder und deren Kultur ein. Bei einem Tanzkurs in Bali hat sie im Alter von vier Jahren zwischen kleinen Mädchen, deren Sprache sie nicht beherrschte, viel gelernt. Es durfte keine einzige Tanzstunde verpasst werden und wenn sie es auch hasst Kleidung einzukaufen, ein passender Sarong musste sein. Das zeigt uns, dass Leni unsere Leidenschaft für das Reisen teilte.

Als dann die zeitliche Planung unseres Ausstieges konkret wurde, haben wir Leni von Anfang an mit einbezogen. Und wir haben ganz konkret mit ihr darüber gesprochen, was das für uns bedeutet. Und bei diesen Unterhaltungen ging es sehr schnell um unser zu Hause und damit auch um ihr Kinderzimmer, den Garten mit Ihrem tollen Spielturm, um die Zukunft unserer Katze und um unsere Familie (wann besuchen wir sie usw.) und unser zukünftiges Reiseleben.

Mehr Zeit mit Mama

Leni ist weder typisches Mama- noch Papa-Kind. Sie liebt es gleichermaßen mit uns Zeit zu verbringen. Wenn doch sie auf die Zeit mit mir in der Vergangenheit deutlich häufiger verzichten musste, als auf gemeinsame Zeit mit Papa. Und so kam es doch sehr häufig vor, dass, wenn ich daheim war, sie nahezu jeden Moment des Tages ausschließlich an meiner Seite verbrachte und diese gemeinsame Zeit intensivst aufgesogen hat. Denn ihr war natürlich klar, dass die nächsten Tage gleich wieder Mamaverzicht bedeuteten. Und schon am Sonntagabend fragte sie oft traurig, wie denn die kommende Woche aussehe und wann Zeit mit Mama eingeplant sei. Als sich dann bei mir berufliche Änderungen abzeichneten aber noch keine Entscheidung meines kompletten Jobausstiegs getroffen war, haben wir natürlich auch Leni in die Gespräche zu evtl. anstehenden Veränderungen einbezogen.

Und diese Reaktionen von Leni, die Fragen ihrerseits und das absolut positive Interesse zu allem was kommen könnte, das waren für uns ganz entscheidende Erlebnisse. Insbesondere sie war mit der Hoffnung, Mama nun viel öfter zu haben sowas von euphorisch. Als dann klar war, keine berufliche Veränderung sondern ein kompletter Ausstieg aus dem Arbeitsleben als Angestellte würde das Ergebnis sein, war unsere Leni das glücklichste Wesen auf Erden. Wo ich noch die ein oder anderen Zweifel in mir trug, ob das tatsächlich alles jetzt schon das richtige sein würde, hatte Leni mal so gar keine Bedenken – in ihrer kindlichen Vorstellung sicher auch differenzierter zu bewerten. Dennoch war das u. a. auch einer unserer Schlüsselmomente zur Entscheidung unseres kompletten Ausstiegs.

Lernen ohne Schule

Zunächst hatten wir Leni noch in der Schule angemeldet, denn in diese wäre sie in diesem Jahr eingeführt worden. Hierzu gab es bei uns ein immer größer werdendes Problem. Denn Leni wollte nicht in die Schule. Und das war schon sehr lange ein Thema bei uns. Bereits im letzten Jahr war das die Meinung von Leni, die sich entgegen aller Erwartungen in diesem Jahr nicht änderte. Sie blieb dabei, dass sie nicht in die Schule wollte.

Erst hatten wir ja nur mal den Gedanken zum Ausstieg laut ausgesprochen und uns miteinander beraten wie Szenarien unserer Zukunft aussehen könnten. Daran hatte Leni sich auch rege beteiligt. Wir haben überlegt und wieder verworfen. Auch wurde von ihr zum Thema Hausstand auflösen schnell geplant, was sie wem schenken oder spenden könnte. Und dann irgendwann wurde auch von ihr der Zusammenhang zur Schule erfasst. Wir mussten hierfür eine Lösung finden, das war auch Leni klar. Dazu hatten zunächst Alex und ich zahlreiche Gespräche geführt und viel recherchiert. Wir haben uns mit den Optionen Homeschooling (häuslicher Unterricht) und Unschooling (Schul- und Unterrichtsfrei) auseinander gesetzt.

Lernen auf Reisen

Dann haben wir Leni dazu befragt, was sie denkt, wie wir das machen könnten. Für sie stand fest, sie wird wie alle Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen. Das war immer schon ihre ganz klare Vorstellung. Und sie hatte längst, in absoluter Eigeninitiative, mit dem lesen und schreiben lernen begonnen. Aber sie konnte sich nicht vorstellen, in eine Schule zu gehen. Also war klar, sie wird lernen, allerdings erst einmal nicht in einer Schule am Wohnort. Dafür machten wir uns gemeinsam mit Leni daran, eine Schulfreistellung (zunächst für ein Jahr ) zu beantragen.

Leni war mit diesem Entschluss wahnsinnig befreit. Von einer Last, die unser kleines Mädchen nun schon sehr lange mit sich herum trug.

Für welches Modell des Lernens auf Reisen wir uns letztlich entschieden haben, berichte ich gern mal in einem späteren Blogbeitrag.

Auf dem Weg, die Hürde der Schulbefreiung zu bezwingen, viel dann die Entscheidung tatsächlich alles aufzugeben. Weil wir nicht daran denken, nur ein Jahr zu reisen sondern open End unterwegs zu sein. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass wir auf diese Weise einige Jahre als sog. Normaden leben wollen.

Fazit

Die Entscheidung zur Langzeitreise mit kompletter Aufgabe unseres Hausstandes haben wir zu dritt getroffen. Leni war immer beteiligt an zu diskutierenden Optionen. Sie hat immer ihre Bedenken geäußert und diese wurden gleichermaßen in unsere Entscheidungen einbezogen. Und dennoch kann ich sagen, dass Leni uns mit ihrer kindlichen Naivität und Unbedarftheit so manche Entscheidung auch hat leichter treffen lassen.

Sie war bei der gesamten Verteilung unseres Hab und Guts so cool. Sie ist sehr sozial, gegenüber Menschen die sie nicht kennt noch viel mehr. Ständig sagte sie, “Mama das kann sicher noch jemand gebrauchen, der nicht soo viel Geld hat. Komm lass uns denen eine Freude machen”. Völlig unbedarft gegenüber Wert oder Nutzen, kindlich eben, aber mit großer Freude. Bei einigen eigenen Dingen, wie Kleidung (LieblingsKleidchen) oder auch Spielzeugen hatte sie dann auch mal Probleme, diese komplett herzugeben. Aber wir haben schlussendlich für alles einen guten Kompromiss gefunden, an dem sie ganz entschieden mitgewirkt hat.

Erinnerungen

An den Dingen die wir eingelagert haben, (das sind insgesamt 5 Kisten) hat Leni den größten Anteil. Denn das sind auch Ihre Kindheitserinnerungen und die wollen wir ihr nicht nehmen. Im Gegenteil, Leni wird eines Tages frei entscheiden, welches Lebensmodell das ihrige sein wird und dafür darf sie ebenso wie alle anderen Kinder ihre Erinnerungen mit ihren ganz persönlichen Schätzen aufrecht erhalten.

Kinder sind sprunghaft und ja, der Tragweite einer Entscheidung zum kompletten Ausstieg und unserer gestarteten Langzeitreise kann sich Leni gar nicht bewusst sein. Wir achten sehr darauf, dass all unsere aber besonders Leni ihre Bedürfnisse in unserem neuen Lebensmodell berücksichtigt werden. Und sobald einer von uns der dringende Wunsch nach einer Base und absoluter Beständigkeit nicht mehr los lässt, werden wir hierfür eine Lösung finden. Momentan, und wir sind ja noch am Anfang unseres Abenteuers, ist das kein Thema für uns drei.

Langzeitreise-Interview mit LeniLou

Ich habe mir gedacht, Leni in unregelmäßigen Abständen zu interviewen und Fragen zur Reise und allem was dazu passt zu stellen.

Und hier findet ihr das erste Langzeitreise-Interview mit Leni. Ich gebe ihre Antworten eins zu eins weiter und erinnere daran, dass unsere Leni gerade 7 Jahre alt geworden ist.

Boboli:
Wie gefällt Dir denn unser neues Leben?
Leni:
Mir gefällt unser neues Leben seeehr gut.

Boboli:
Ist es anders als früher, als wir in den Urlaub gefahren sind?
Leni:
Ich freue mich, dass es immer immer weiter geht und ich hoffe,
dass Mama und Papa ja nicht sagen, dass es zurück geht.

Boboli:
Gefällt Dir etwas gar nicht?
Leni:
Mir gefällt nicht, dass ich meine Oma & Opa und meine Tante & Onkel nicht mehr so oft sehe.
Und meine Freundin Emma und meine Katze Lucy vermisse ich.

LeniLou 7. Geburtstag

Boboli:
Was war das tollste bisher für Dich?
Leni:
Mein Geburtstag im Kinderhotel weil ein Clown mit roter Nase kam und Papa mir auf der Bühne einen Geburtstags-Muffin gezaubert hat.

Boboli:
Worauf freust Du Dich besonders?
Leni:
Ich freu mich dass wir mit meiner Tante und
Onkel und dem anderen Onkel und meiner
Cousine an Weihnachten eine Reise zusammen
machen. Und auf das Wintercamp in Thailand mit
vielen Kindern und Freunden freue ich mich auch schon.

Boboli:
Was vermisst Du unterwegs?
Leni:
Meine Puppe, die ich aber nach Asien mitnehme und meine beste Freundin Emma,
die stopfe ich vielleicht auch noch mit in meinen Rucksack.

Boboli:
Was wünschst Du Dir für die nächsten Orte auf unserer Reise?
Leni:
einen Kinoabend und einen Pool zum planschen…  und eine Disco.

Tschüß und bis bald, Eure LeniLou

Wenn Ihr Fragen an uns habt oder Euch weitere Themen interessieren könnt ihr uns direkt unter diesem Blogpost im Kommentarfeld eine Nachricht hinterlassen.

Viele Grüße

Eure Boboli

Die Erziehung, die Alex und auch ich in unserer jeweiligen Kindheit erfahren haben, vermittelte uns in erster Linie die Eigenschaften Fleiß, Pflichtbewusstsein und ganz besonders hohe Erwartungen an uns selbst zu haben. Denn dann “kannst Du es weit bringen”. Was heisst denn “weit bringen”? Viel Geld verdienen, dann kannst Du ein sorgloses Leben führen und Dir alles kaufen was Du brauchst.
Und dann wurde uns auch vorgelebt, es sei erstrebenswert Haus oder Eigentumswohnung zu erwerben und die Karriereleiter möglichst hoch zu klettern. Denn dann hast Du es geschafft. Und Dein Leben ist perfekt, wenn Du Kinder, einen Vorgarten und ein großes Auto vorzeigen kannst. Denn dann wirst du angesehen in der Familie, in der Nachbarschaft und insbesondere in der Gesellschaft.

Vor langer Zeit schon (ca. im Jahr 2005/2006) haben wir uns unabhängig von gesellschaftlichen Normen, familiären Wunschvorstellungen oder von unseren beruflichen Stationen die Fragen gestellt:

  • Wie lange wollen wir unseren anerzogenen Wertvorstellungen entsprechen?
  • Wollen wir Kinder?
  • Wie und wo wollen wir langfristig wohnen (Miete oder Eigentum)?
  • Wie lange wollen wir (im Angestelltenverhältnis) arbeiten?

Erhellende Momente und Antworten, die letztendlich zu unserer Entscheidung für unseren “Ausstieg” in diesem Jahr geführt haben, hatten wir nicht sofort parat. Und schon gar nicht ließen sie damals erahnen, wohin uns diese Antworten in Gänze führen würden. Aber die Tatsache, dass wir uns sehr früh mit den für uns existenziellen Fragen immer und immer wieder beschäftigt hatten und uns diese in all den Jahren nahezu täglich beeinflussten, halfen dabei, absolut selbstsicher jetzt diesen Schritt des Aussteigens zu gehen.

2011 ist unsere Tochter Leni geboren und mit ihr wurden auch wir selbst ein bissl neu geboren. Wach gerüttelt aus einem vermeintlichem Dämmerschlaf der geprägt war von “funktionieren und Allen alles recht machen” wollen oder müssen.

Offensichtlich mit dem unbewussten Hintergrund, die guten Jahre können noch besser werden. Denn es lief andererseits auch gut für uns. Beide hatten wir ganz gute Positionen in unseren Unternehmen und das war uns damals wichtig. Verdienten wir beide doch gutes Geld, von dem wir ganz ordentlich wegsparen konnten. Und das passte wiederum zu unserer Wunschvorstellung, nicht bis zum offiziellen Renteneintritt arbeiten zu müssen. Denn dann hätten wir doch noch genug vom Leben. Aber Stop! Wie lange wollen wir warten, uns kaputt arbeiten, den Chefs weiterhin Glauben schenken, dass ok ist was sie tun, damit die eigene Position nicht gefährdet wird? Um dann endlich irgendwann was zu tun? All die Dinge, die wir unser Leben lang schieben, auf den Moment, den wir hoffentlich gesund erreichen?

Und da unsere beruflichen Abhängigkeiten so derart massive Auswirkungen auch auf die Entwicklung unserer Tochter hatte und uns nicht genug Möglichkeiten bot, ihre Sozialisierung und den Anteil der Fremderziehung so zu beeinflussen, wie sie unseren Vorstellungen entsprach, hat Alex bereits 2014 den Ausstieg aus dem sogenannten Angestellten-Hamsterrad vollzogen. Und das war das Beste, was uns je gelungen ist. Denn damit nahm alles andere seinen Lauf. Von nun an haben wir alles darauf ausgerichtet, dass auch ich alsbald meinen Job zum richtigen Zeitpunkt aufgeben konnte.

Mit dem festen Ziel vor Augen, absolut frei zu sein, Leni’s Entwicklung maßgeblich frei und bedürfnisorientiert gestalten zu können und daran wiederum selbst zu wachsen, veränderte sich unser Bewusstsein derart, dass wir weder Angst haben, in der Gesellschaft Anerkennung zu verlieren, noch daran denken, es nicht zu schaffen. Denn nur wer an sich glaubt und tatsächlich aus Überzeugung handelt, kann erreichen, was er sich vornimmt.

Mit der Entscheidung zum „Ausstieg“ viel untrennbar auch die Entscheidung, auf Langzeitreise zu gehen. Und hierfür unseren festen Wohnsitz in Deutschland aufzugeben und somit von nun an in der Welt zu Hause zu sein und nicht mehr in unserem beschaulichen Wohnort im schönen Oberbayern.

Viele Leser fragen sich vermutlich, wovon wir denn leben und wie lange das so funktionieren kann? Oder unser Geld aufgebraucht oder was braucht man überhaupt um glücklich zu sein? Hier empfehle ich den nächsten Blogbeitrag abzuwarten oder gern vorab auf unserer Projektseite vorbeizuschauen.

Eure Fragen und Anregungen könnt ihr direkt unterhalb des Blogposts im Kommentarfeld los werden.


Viele Grüße

Eure Boboli